"Juchu, ich werde Vater!!!"

Diese Nachricht verändert auch das Leben eines Mannes von Grund auf. Man(n) fühlt sich nicht mehr nur für sich allein verantwortlich. Es stellen sich plötzlich ungewohnte Aufgaben, an die Man(n) sich erst gewöhnen muss, aber in die Man(n) auch meist erstaunlich schnell hineinwächst.

Für viele Männer steht im Vordergrund: Möglichst viel Geld verdienen, um der künftigen Familie Schutz und Sicherheit bieten zu können. Nur wenige Männer nehmen deshalb wohl auch die „Elternzeit“ für sich in Aspruch.

Dennoch hat sich die Rolle der Väter in den letzten 20 Jahren grundlegend verändert und wird zunehmend zwischen den Partnern neu verhandelt.

Die Schwangerschaft - neun Monate sind eine lange Zeit

In den ersten Monaten der Schwangerschaft beginnt der Mann erst allmählich zu begreifen, dass er Vater wird. Der gefühlsmäßige Kontakt zum Kind besteht zu diesem Zeitpunkt auch noch mehr in der Fantasie. Erste sinnliche Eindrücke sind wenig greifbar und beschränken sich zum Teil nur auf schemenhafte Umrisse von Ultraschallaufnahmen und Erlebnisberichten der Frau.

Somit beschäftigen sich viele Männer eher mit der Verantwortung, die auf sie zukommt. Der Ein oder Andere stellt sich vielleicht die Frage, was für ein Typ „Vater“ er wohl sein wird. Möchte ich viel arbeiten oder möchte ich möglichst viel Zeit mit meinem Kind verbringen? Werde ich ein autoritärer Vater sein oder möchte ich lieber der beste Kumpel meines Kindes werden?

Das zweite Drittel wird oftmals als eine ruhige und unbeschwertere Phase der Schwangerschaft erlebt. Das “Geheimnis“ ist im vierten Monat meist gelüftet. Verwandte und Freunde sind informiert und dennoch liegt die Geburt noch in weiter Ferne. In dieser Zeit stehen oft berufliche und finanzielle Fragen im Vordergrund.

Wie teilen sich die Partner Erziehungs- und Erwerbsarbeit auf? Wer nimmt „Elternzeit“ in Anspruch und wann? Es wird viel gerechnet und ein Kassensturz betrieben. Wie viel Geld braucht man wirklich für ein Kind?

Gegen Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels wird das Baby im Bauch der Mutter so groß, dass es auch für den werdenden Vater zu ertasten ist. Es dreht und streckt sich und so zeigt sich manchmal ein Fuß oder eine Hand als plötzliche Ausbuchtung am Bauch. Für beide Partner ein unglaubliches Gefühl der Nähe, denn eng aneinander gekuschelt und mit Papa´s Hand auf Mama´s großen Bauch, ist man schon fast eine richtige Familie. Langsam können es beide kaum noch erwarten.

Mir kam die Zeit bis zur Geburt wie eine Ewigkeitvor. Mein Mann hingegen war da etwas entspannter.

Die Geburt steht bevor

Heute sind etwa neun von zehn Vätern bei der Geburt dabei. Deshalb wird auch meist gemeinsam ein Geburtsvorbereitungskurs, die so genannte Schwangerschaftsgymnastik besucht. Das ist für den Mann nicht immer ganz so einfach. Während die schwangeren Frauen erfahrungsgemäß schnell ins Gespräch kommen, beispielsweise über die letzte Vorsorgeuntersuchung, so wissen werdende Väter oft nicht genau, was sie erzählen sollen/wollen. Da kann es oft hilfreich sein, einen „Männerabend“ zu veranstalten.

Es ist übrigens auch überaus empfehlenswert, die Frau bei der Besichtigung des in Frage kommenden Kranken- oder Geburtshauses zu begleiten. Dabei kann der werdende Vater herausfinden, ob er als Geburtsbegleiter willkommen ist oder möglicherweise nur geduldet wird. Je näher der Geburtstermin rückt, desto mehr tritt für den Vater eine Frage in den Vordergrund: „Wie kann ich meiner Partnerin bei der Geburt eine wirkliche Hilfe sein?“ Und es steigt die Verunsicherung, ob man mit der Situation gut zurechtkommen wird. Patentrezepte gibt es nicht. Auf jeden Fall ist es aber ratsam, über den Geburtsverlauf und mögliche Komplikationen gut informiert zu sein, denn dann wird man auch nicht von den Geschehnissen überrannt. Eine Geburt ist auf jeden Fall ein außergewöhnliches Erlebnis. Von den Momenten des nervösen Wartens bis zu dem Moment in dem das Kind das Licht der Welt erblickt.

Als Mann eine Geburt zu begleiten, heißt vor allem den Dingen ihren Lauf zu lassen und darüber hinaus der Partnerin zu vertrauen. Die eigene Rolle besteht hauptsächlich darin, einfach da zu sein. Besonders die ersten Monate mit dem Baby sind eine unwiederbringliche und deshalb sehr kostbare Zeit. Nach Möglichkeit sollte man versuchen, für die erste Zeit nach der Geburt einen Großteil seines Jahresurlaubs zu nehmen, um das Glück Vater zu sein richtig genießen zu können. Es ist eine der schönsten Aufgaben, die das Leben an einen stellt! Und auch danach ist es wichtig, sich Freiräume zu schaffen.

Das intensive Erleben einer „neuen Welt“ gemeinsam mit dem Nachwuchs lässt sich nur mit genügend Zeit erreichen.

Als Vater mit zur Geburt?

Besprecht gemeinsam ganz offen, ob du bei der Geburt anwesend sein möchtest oder nicht. Beide Partner sollten es wirklich wollen. Du solltest als Mann auch an dich selber denken – und darfst auch Nein sagen. Deine Partnerin wird vielleicht enttäuscht sein, wenn du nicht dabei bist, es letztendlich aber akzeptieren. Wenn du kein Blut sehen kannst oder sich dir allein beim Geruch eines Krankenhauses der Magen umdreht, kann es dir vielleicht helfen, einen Kreißsaal zu besichtigen oder einen Geburtsfilm zu sehen, um vor allem den Ablauf einer Geburt kennen zu lernen. Falls du trotzdem unsicher bist: Halte es dir offen! Gerade in der langen Zeit der Eröffnungsphase kann für deine Partnerin deine Anwesenheit sehr wichtig sein. Du musst dabei gar nicht besonders aktiv sein. Viele Frauen empfinden das Dabeisein ihres Partners, auch wenn er „bloß“ Händchen hält, als große Hilfe und Sicherheit.

Der schwangere Vater

Im Gegensatz zur schwangeren Frau, die die Veränderungen und Vorgänge in ihrem Körper hautnah miterlebt, finden sich werdende Väter oft in der Rolle des Beobachters wieder. Das Gefühl überflüssig zu sein und als „Samenspender“ ausgedient zu haben, ist besonders bei jenen Paaren stark ausgeprägt, die jahrelang auf ein Wunschkind hingearbeitet haben und nur noch Sex nach Zeitplan bzw. nach Temperaturkurven und Ovulationstests praktiziert haben.
Dabei können Sie doch gerade jetzt die Sexualität ganz unbeschwert genießen, nachdem Ihre Bemühungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind! Der Leistungsdruck fällt von Ihnen ab. Dies sollte eine gute Voraussetzung dafür sein, um die Liebe wieder frei nach Lust und Laune zu erforschen.
Keine Angst – das Kind kriegt nichts mit und ist gut geschützt. Ein bisschen mehr Rücksicht ist gefragt sowie ein neues Erkunden des sich verändernden Körpers.

TIPP: Bezieh deinen Partner möglichst früh in die Schwangerschaft mit ein. Dazu gehören der gemeinsame Einkauf von Babysachen, der Besuch beim Arzt, das Heraussuchen der Schwangerschaftskurse, das Einrichten des Kinderzimmers etc. Sag deinem Partner auch, wie du dich fühlst – körperlich wie seelisch. Offenheit auf beiden Seiten ist wichtig, um Missverständnissen vorzubeugen und sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Kliniktasche für den Mann

kleinen Snack (Kekse, Schokoriegel o.ä. Nervennahrung) und Getränke für Ihren Partner, denn dieser wird meist nicht im Krankenhaus mitverpflegt und nachts hat die KH-Cafeteria in vielen Fällen geschlossen.

etwas zum Lesen (falls er z.B. während einer Untersuchung warten muss) und Zettel und Stift - man weiß ja nie...

zusätzliches bequemes Schuhwerk (wie Hausschuhe), Kleidung zum Wechseln, falls es länger dauert

Fotoapparat, damit das Baby nach der Geburt fotografiert werden kann (sind die Batterien noch voll, ist der Film OK bzw. hat die Speicherkarte genug Platz? Handy(denn man hat doch so Einige zu informieren)